01. Juni 2017

Aus Frust wird Freude

 

Am Ende dieses speziellen Freitags Ende März war die Telefomin Twin Otter Crew, Kapitän Mathias Glass und First Officer Ryan Cole, ziemlich frustriert, weil sie ihr Flugprogramm nicht vollständig abarbeiten konnten. Wegen sich verschlechterndem Wetter am Nachmittag verlängerte sich die Flugzeit um von Mt Hagen nach Tari zurückzukehren. So mussten sie einen Flug nach Tekin stornieren, der Lebensmittel geliefert und 8 Passagiere abgeholt hätte, einige von ihnen Community Health Worker Studenten, die darauf warteten, nach ihrem Praktikum im Tekin Health Center wieder zur Schule nach Telefomin zurückzukehren. Die Piloten flogen in direkter Route nach Telefomin. Auf dem Weg zu ihrer Heimatbasis erhielten sie einen Funkspruch von der Telefomin Basis, der sie über einen angeforderten medizinischen Evakuierungsflug (Medevac) von Yapsie nach Tabubil informierte. Unglücklicherweise machte das Wetter weiter dicht und die Navigation zwischen den Wolken und Bergen erhöhte wieder die normale Flugzeit. Schließlich fanden sie ein kleines Loch in den Wolken, um in das Telefomintal hinabzusteigen und zu landen. Dies bedeutete jedoch, dass nicht mehr genug Zeit und Tageslicht blieb, um die Medevac von Yapsie nach Tabubil fliegen zu können und schließlich zu Telefomin zurückzukehren. Eine Frau, Ester, hatte früher an diesem Morgen ein Kind geboren. Leider ist das Baby sofort gestorben, während die Mutter viel Blut verlor und die Plazenta noch nicht ausgeschieden hatte – eine Situation viel zu komplex für die Dorfgesundheitsmitarbeiter der kleinen Krankenstation in Yapsie.

Es war noch mehr frustrierend, als die Piloten am Abendessenstisch saßen, und in ihrem Tischgebet auch für die Frau beteten, dass sie die Nacht überleben würde, als sie sahen, dass das Wetter wieder aufgeklart hatte und alle umliegenden Bergkämme frei von Wolken waren als sich die Sonne mit einem atemberaubenden Himmel an diesem Tag verabschiedete.

Genialer Sonnenuntergang im Telefomin Hochtal

Als die Piloten das Flugzeug am nächsten Morgen für den Flug nach Yapsie vorbereiteten um Ester ins Krankenhaus nach Tabubil zu fliegen, stellte sich heraus, dass über Nacht eine andere Frau, Osa, im Krankenhaus in Telefomin Komplikationen während der Geburt entwickelte (Verschlusspräsentation/Steißgeburt) und ebenfalls nach Tabubil zur Notfalloperationen überwiesen wurde. Eine weitere junge Frau, Kolina, hatte undefinierte starke Schmerzen im Unterleib. Der Verwaltungsangestellte des Distrikt-Gesundheitsamtes für Telefomin, der den Medevac Charter für Ester angeordnet und bezahlt hatte, buchte nun auch Osa und Kolina auf den Flug.

Während der MAF Agent in Yapsie um 7:30 Uhr via HF-Radio den Wetterbericht durchgab, teilte auch er mit, dass ein zweiter Patient, Lucy, vermutlich mit TB diagnostiziert, nach Tabubil für weitere Untersuchungen geflogen werden sollte.

Ein einzelner Medevac am Abend zuvor entwickelte sich über Nacht zu vier am nächsten Morgen.

Osa wurde vom Landcruiser des Telefomin Krankenhauses in das Flugzeug getragen und dann sicher auf der Trage liegend für die beiden 25 Minuten Sektoren angeschnallt, um schließlich ihr Baby im Krankenhaus in Tabubil zu entbinden.

 

Die Telefomin-Passagiere, 1. Reihe Francis, der Bezirksgesundheitsamt Administrator; 4. Reihe ist Judith, die Hebamme des Krankenhauses, die dort erst vor 6 Tagen ihren Dienst angetreten hat; 5. Reihe die zweite Patientin, Kolina; 2. und 3. Reihe eine Bekannte von Osa und ihrem Mann Herr Imit, die nach der werdenden Mutter schauen soll. Kolinas Ehemann war auch an Bord, aber ist nicht im Bild zu sehen.

 

Judith, die Hebamme, war gerüstet, Osas Baby während des Fluges zu entbinden. Sie hatte ein Notfall-Kit mit im Flugzeug. Gott sei´s gedankt, Judith musste es nicht benutzen!

 

Unter den Augen vieler Dorfbewohnern wurde Ester auf einer improvisierten Trage aus Buschmaterial von der lokalen Gesundheitsstation zum Flugzeug getragen. Neben dem Flugzeug wurde sie dann auf die MAF-eigene Transporttrage umgelagert.

 

Auf der Trage liegend wurde Ester bequem ins Flugzeug gehoben und ebenfalls auf dem Boden gesichert. Beide Frauen hatten einen IV-Tropf, um ihren Körper mit dem nötigsten zu versorgen.

 

Das Tabubil Krankenhaus schickte seine Ambulanz, um die Patienten liegend abholen. Allerdings gab es nur Platz für eine Trage. Osa musste zuerst gehen. Noch im Flugzeug wurde sie auf die Trage des Krankenwagens umgelagert, und dann ins Ambulanzfahrzeug geschoben. Ester, müde von den vergangenen Stunden und um den Verlust ihres Babys trauernd, musste warten, bis der Krankenwagen zurückkehrte.

 

Osas und Esters Begleitpersonen (beide links im Bild) erhielten eine so genannte Medevac-Segenstüte, die mit verschiedenen Kleinigkeiten für die Zeit im Krankenhaus gefüllt war, u.a. Toilettenartikel und Kleider. Die Taschen samt Inhalt werden von den MAF Mt Hagen Frauen verpackt und gespendet.

 

Das Personal des Krankenwagens, ein Fahrer und eine Krankenschwester, waren sehr hilfsbereit. Sie erlaubten Judith mit Osa zum Krankenhaus zu fahren, damit sie den Krankenschwestern vor Ort Osas Schwangerschaftskomplikationen erklären konnte. Osa, schon etwas älter und bereits Mutter von zwei erwachsenen Kindern, erwartete nun ihr 3. Kind nach einer sehr langen Pause.

 

Ester wird vom Flugzeug in den Krankenwagen gehoben.

 

Tracy, unsere Tabubil Base Managerin, nutzt die Gelegenheit und informiert Twin Otter Piloten Mathias Glass über das Flugprogramm für den kommenden Montag. Zuvor fuhr Tracy die beiden anderen Patienten und ihre Begleitpersonen im MAF-Fahrzeug ins Krankenhaus – ein Dienst, den sie regelmäßig übernimmt, wenn der Krankenwagen platztechnisch nicht ausreicht, er nicht sofort verfügbar ist und die Patienten nicht liegend transportiert werden müssen.

 

Mathias und Ryan laden das Flugzeug mit Lebensmitteln für den Rückflug nach Telefomin – eine unerwartete Lieferung für einen der lokalen Ladenbesitzer an diesem Samstag.

 

Alle Waren sind sicher in der Kabine verstaut. Judith und Francis, vom Krankenhaus in Telefomin, waren die einzigen Passagiere auf dem Weg zurück nach Telefomin.

 

Ist es nicht erstaunlich, dass trotz aller Frustration für beide Piloten und die Mitarbeiter der MAF Telefomin und Tabubil Basis, dass sie den Medevac am Freitag Nachmittag nicht fliegen konnten, Gott die ganze Zeit wusste, dass 15 Stunden später mehr Menschen geholfen und das Flugzeug effizienter ausgelastet werden würde, ohne die Gesundheit der ersten Medevac Patientin zu riskieren!

 

In eigener Sache…

Im März mussten wir für mehrere Wochen nach Telefomin umziehen. Mathias wurde dort als Twin Otter Kapitän gebraucht, da der dort wohnhafte Pilot wegen einem medizinischen Notfall in der Familie nach Australien musste (sein zweijähriger Sohn hatte sich schwer verbrüht…). Da dieser Flug am 1. April ein ungeplanter Notfallflug war, gerade noch ein Platz im Flugzeug frei war, konnte Mandy mitfliegen und diese Geschichte in Worten und Bildern festhalten.

Ihr wisst, dass ich, Mandy, für MAF PNG Berichte aus dem MAF Alltag schreibe, die deutlich machen, welch ein Segen der Flugservice von MAF für die Menschen in den abgelegenen Regionen von PNG ist. Im Original sind diese Berichte auf Englisch. Ihr glaubt gar nicht, dass es mir zuweilen Mühe macht, meine eigenen Texte zurück ins Deutsche zu übersetzen! Entschuldigt bitte, wenn mein Deutsch vielleicht ein wenig holprig ist! 😉


Wolfgang Hagen am 1. Juni 2017 um 15:20 Uhr

Es gibt nichts schöneres als eine holprige Rückübersetzung über holprige Erfahrungen mit einer faszinierend glatten Story. Ihr seid unersetzbar.


Lupo am 21. Juni 2017 um 22:30 Uhr

Moin Ihr Zwei,

mit Rückübersetzen kenne ich mich aus ; – ))) Alles gut!

Gruss

Lupo


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