Papua Neuguinea

Sehet und schmecket die Freundlichkeit des HerrnĀ …

… oder Auf Umwegen zum Telefomin Markt

Es ist ein atemberaubend klarer und sonniger Morgen hier in Telefomin. Ein paar Wolken steigen langsam die Hügel zwischen den meinem Blick verborgenen Schluchten empor. Die perfekte Zeit für einen Morgenspaziergang, die Schönheit der Landschaft aufzusaugen und zu versuchen, sie mit meiner Kamera festzuhalten! Außerdem will ich zum Markt. Über ein paar Umwege kam ich dann irgendwann auch dort an…

Der Blick von unserer Veranda hinüber zur Sekundarschule

Wohnhaus in Telefomin

 

Umweg Nr. 1: Die Twin Otter

Ich filme den Start der Twin Otter. Mit Passagieren startet sie nach Tabubil, dem Telefomin nächstgelegenen größeren Versorgungszentrum. Hier endet die Straße, die alle Fracht den Fly River herauf bringt und wo die nächsten Passagiere bereits an der MAF-Basis auf ihren Flug nach Tekin warten. Von Tekin geht der Flug weiter nach Bak und von dort mit Passagieren nach Mt Hagen, die die erste Hälfte der Ladung dieses Bak-Mt Hagen-Charters bilden. In Bak fragt der Pastor die Piloten, ob sie Bibeln hätten, die er kaufen könne. Leider nicht, aber sie versprechen, eine Kiste von Mt Hagen zurückzubringen. In Mt Hagen werden die 20 Sitze der Twin Otter hoch geklappt um Platz zu schaffen, ein mobiles Sägewerk für den Rückflug nach Bak zu laden. Das Flugzeug ist die einzige Möglichkeit, um Geräte wie diese in dieses zwischen den Bergen gelegene Dorf zu transportieren. Während später das Sägewerk in Bak wieder entladen wird, kauft der Pastor 40 Buk Baibels, also Bibeln in der Handelssprache Tok Pisin.

Die Twin Otter P2-MFB auf dem Weg zur Startposition in Telefomin. Mathias am Steuer…

Das mobile Sägewerk ist nun in Bak.

Von Bak fliegt die Twin Otter wieder nach Tabubil, an Bord ein paar Passagiere und viel Gemüse, das die Leute später auf dem Markt dieser Goldminenstadt verkaufen werden. Frisch betankt fliegt die Twin Otter indes weiter nach Tumolbil, einem Dorf in einem engen Tal an der indonesischen Grenze. An Bord ist u.a. eine kranke Frau mittleren Alters, die vor zwei Wochen auf einem Medevac-Flug nach Tabubil gebracht wurde. Aber sie kam zu spät, viel zu spät. Diagnose Brustkrebs, im Endstadium. Es gab nichts, was das Krankenhaus für sie tun konnte, also schickte man sie zurück nach Tumolbil, begleitet von einer Krankenschwester und beatmet mit einer Sauerstoffmaske. Zurück nach Hause zu ihren Angehörigen, um in deren Mitte zu sein, wenn das Leben bald zu Ende geht.

In Tumolbil holt das Flugzeug u.a. Deo Mondo ab, einen Techniker, der die letzten zwei Nächte in diesem Buschdorf verbrachte, um eine neue Langwellenfunk-Antenne für die kleine Gesundheitsstation zu installieren. Die Krankenschwester fliegt ebenfalls mit zurück nach Tabubil, ebenso ein paar Dorfbewohner. Eine letzte Betankung und die Twin Otter wirft zum siebten Mal an diesem Tag ihre Turbinen an, startet für den letzten 15 Minuten Flug zurück zu ihrer Heimatbasis in Telefomin. Ein langer Arbeitstag für die Piloten, ca. 10,5 Stunden, inklusive 5,5 Flugstunden.

 

Umweg Nr. 2: Die Überreste eines alten Segelflugzeugs

Nachdem die Twin Otter in den azurblauen Himmel aufgestiegen war um das Telefomin-Tal hinter sich zu lassen, beschloss ich, einfach weiter zu laufen, um das morgendliche Licht auszunutzen und markante Szenen der Telefomin-Landschaft zu fotografieren. Den Anfang  machten die Überresten eines alten Segelflugzeugs, das einst in Telefomin landete und dessen Gedenkstein mir die Anfänge der Luftfahrtgeschichte in Telefomin erklärt.

Hier erfährt man ein wenig über die Flugplatz-Historie von Telefomin

 

Die Überreste des Segelfliegers…

Als ich danach den Flugstreifen überquere, kommt mir eine kleine, alte Frau entgegen, gebeugt unter einer vermutlich recht schweren Last in ihrem Bilum. „Guten Morgen,“ grüße ich sie, „du gehst zum Markt, nicht?“, stelle ich fragend fest und wünsche ihr einen guten Tag.

Eine alte Frau auf dem Weg zum Markt

Schönheit der Schöpfung. Von diesen Orchideen blühen hunderte in Telefomin!

 

Umweg Nr. 3: Die Baustellen der Sekundarschule

Ich setzte meinen Spaziergang in Richtung der Telefomin Sekundarschule fort und komme an der Baustelle der neuen Aula bzw. Basketball-Halle vorbei. Es hat sich einiges getan, seitdem ich das letzte Mal vor 6 Monaten hier war. Ich plaudere mit einigen der Bauarbeiter, die gerade die Aufgabenverteilung für den Tag besprechen: Beton gießen für einen weiteren Bereich des Bodens. Die Arbeiten gehen langsam voran. Handarbeit und fehlende Maschinen sind ein Grund, fehlende finanzielle Ressourcen der andere. Gestern wurden 30 Zementsäcke aus Tabubil mit der Twin Otter gebracht. Die wollen die nächsten Tage verschafft werden. Ich gehe weiter, treffe eine weitere Gruppe, die an einem anderen Gebäude beschäftigt ist. Die Männer erklären mir, dass sie an den letzten Kleinigkeiten eines neuen Schlafsaals für 40 Jungen arbeiten, Fliegengitter anbringen bzw. mit dem Innenausbau beschäftigt sind. Und ja, MAF gehört zum Dorf dazu. Ohne MAF hätten sie all das Baumaterial gar nicht.

Die Baustelle der Aula bzw. Basketballhalle

Die Twin Otter bringt weiteres Baumaterial für die Sekundarschule in Telefomin

Umweg Nr 4: Im Gespräch mit dem Rektor der Sekundarschule

Der Rektor der Sekundarschule in Telefomin

Ich treffe auf den Rektor der Sekundarschule und wir beginnen zu plaudern. Es ist sein zweites Jahr als Schulleiter. Auch er betont den wichtigen Dienst von MAF für die Schule. Ohne MAF würde die Schule nicht funktionieren, denn sie sind von unserem Flugdienst abhängig, u.a. für die benötigten Lebensmittel für die ca. 400 Internatsstudenten, alles Lehr- und Lernmaterialien und alle Baustoffe, um die Infrastruktur der Schule zu verbessern. Für viele der Internatsschüler und ein Drittel der Lehrer fungiert das MAF-Flugzeug auch als „Schulbus“, nicht täglich, aber zum Beginn und Ende des Schuljahres, gelegentlich auch zu den Semesterferien.

 

Umweg Nr. 5: Eine Unterrichtsstunde in der 12. Klasse

Unterricht der Kasse 12 im Speisesaal

Ich folge dem Schulleiter zu seiner nächsten Unterrichtseinheit. Mit einer polierten 20 Toea Münze in seiner Hand lehrt er den Schülern eine einfache, aber wichtige Lektion. „Was ist der Wert dieser Münze? – Was, wenn die Münze auf dem Boden liegt, was ist ihr Wert dann? – Und was, wenn sie richtig verdreckt ist,“ und reibt sie unter seinem Schuh auf dem staubigen Holzboden. „Der Wert bleibt gleich“, antworten die Studenten in Übereinstimmung. Dann überträgt er seine Münzen-Illustration auf den persönlichen Wert der Schüler. „Egal, wie du aussiehst, egal ob du morgens geduscht hast oder nicht, wie sauber deine Kleider sind, egal von welchem ​​Dorf du bist, du bist wertvoll, so wie du bist. Der Wert einer Münze ist gegeben durch ihre Prägung, egal ob sie glänzt oder schmutzig ist, – und genauso auch du.“ Nun erklärt er den Schülern vier Lebensprinzipien, mit denen sie den Wert ihres Lebens steigern können und ihre persönlichen Ziele erreichen können. Die vier Ds des Erfolges: Entschlossenheit, klare Ziele, Hingabe und Disziplin (engl: Determination, Desire, Dedication, Discipline). Dann fordert er die Schüler auf, diese vier Wörter mit Inhalt zu füllen und aufzuschreiben, was sie für sie persönlich bedeutet und wie sie praktisch werden können.

Einer der Zwölftklässler bei der Denkarbeit…

Gedanken eines anderen Schülers zum Thema

Leider bleibt keine Zeit für eine Diskussion darüber, was die Schüler geschrieben haben, da mein Gespräch mit dem Schulleiter über die Schule und MAFs Einfluss dazu geführt hat, dass er zu spät in die Klasse kam und nur 15 Minuten für die Unterrichtsstunde übrig blieben. Also fasst der Schulleiter seine kurze Lektion zusammen, verweist am Ende die Schüler auf die Leistungen der Zehntklässler der Oksapmin Sekundarschule im Vorjahr, im ca. 60 km entfernten Tekin. „Sie haben diese vier Ds wirklich umgesetzt und kamen auf Platz fünf der besten Schulen in ganz Papua-Neuguinea. Wir können das auch schaffen, wenn wir diszipliniert sind, angefangen mit Selbstdisziplin. Dann werden wir Ergebnisse sehen. Dann wird unsere Leistung steigen, als Schule, als Individuum und als Klasse. Von unseren Zwölftklässlern haben im vergangenen Jahr ein Drittel, also über 25 Schüler Plätze in weiterführenden Bildungseinrichtungen bekommen. Können wir diese Zahl erhöhen?“ Mit dieser Herausforderung entlässt er die Klasse.

Was für eine kurze und kraftvolle Lektion! Auch für mich ist diese Lektion eine gute Erinnerung, dass jeder Mensch in Gottes Augen wertvoll ist, unabhängig von Hautfarbe und Herkunft, Bildungschancen und Lebensumständen. Und diese vier Ds sind Lebensprinzipien, die sich auch individuell in jeder Lebenslage definieren lassen. Wie spiegeln sie sich in meinem Leben wieder?

Lasst uns hoffen und beten, dass viele dieser Schüler ihren Gott gegebenen Wert erkennen und diesen auch im Leben ihrer Mitschüler wahrnehmen, und dass sie die Herausforderung annehmen, diese vier Ds auf ihrem Bildungs- und Lebensweg umsetzen.

 

Wieder auf dem richtigen Weg: Auf zum Markt

Ich verlasse das Schulgelände, gehe zurück zur sog. Telefomin Station, überquere die Landebahn, komme wieder am Segelflugzeug vorbei bzw. dem, was davon übrig geblieben ist und gehe nun zielstrebig zum Markt. Manchen verkaufen hier Produkte aus ihrem eigenen Garten, andere verkaufen Waren, die sie in Tabubil oder Vanimo gekauft wurden, Öl, Brühwürfel, löslicher Kaffee in Portionstütchen, Taschenlampen, Kleidung, Schuhe, Nägel und manches mehr.

Im Angebot: Tapioka, Pitpit und Blattgemüse

Im Angebot: Tapioka, Pitpit und Blattgemüse

Ich steuere auf drei Frauen zu, die Blattgemüse in dicken Bündeln, Pitpit (eine Art Bambus) und mir unbekannte Wurzelknollen anbieten. Also frage ich nach, was das denn für Wurzelknollen sind.

„Tapioka.“

„Und wie kocht man Tapioka?“

„Ganz normal wie Kaukau (Süßkartoffeln) oder Taro im Topf oder im Feuer. Oder man hobelt die Wurzel und brät sie als eine Art Fladen in der Pfanne. Man kann noch anderes unter die Tapioka-Raspel mixen, wie Frühlingszwiebeln, Tomaten, ein Dosenfleisch oder Thunfisch. Hauptsache, man hat genug Öl in der Pfanne. Tapioka ist richtig durstig.“

Ich lasse mich drauf ein, etwas Neues auszuprobieren und kaufe eine der kleineren Tapioka-Wurzeln für 50 Toea. Die Frauen freuen sich.

Ich flaniere weiter über den Markt und nähere mich einigen Frauen, die im Schatten unter dem neuen Marktgebäude sitzen. Ich kaufe immer gern Dinge von verschiedenen Frauen, so dass mehrere ein kleines Geschäft machen können. Das wird überall wertgeschätzt.

Als nächstes kaufe ich eine Gurke und ein Bündel Frühlingszwiebeln für je 1 Kina von zwei verschiedenen Frauen und frage nach einigen anderen Wurzelknollen, die sie im Angebot haben. Taro und Taro Konkong. Ich verspreche, sie ein anderes mal zu kaufen. Wir sind nur zur zweit, wir brauchen nicht viel und ich muss nicht auf Vorrat kaufen, da der Markt täglich abgehalten wird und da diese verschiedenen Wurzeln das Hauptnahrungsmittel der Leute in diesem Hochlandtal ausmachen, sind sie auch täglich auf dem Markt zu haben.

Die Frau, der ich vorher auf der Landebahn begegnet bin…

Und dann sehe ich sie wieder, die alte Frau, der ich vor zwei Stunden auf der Landebahn begegnet bin. Nun sitzt sie unter ihrem verblassten Regenschirm, hat auch einige Tapioka-Wurzeln, eine Staude Bananen und drei kleine Tomaten im Angebot, ausgebreitet auf ihrem Bilum. Ich kaufe alle ihre Bananen, 10 Toea pro Stück, insgesamt also 80 Toea. Mit zittrigen Händen bietet sie mir ihre Tomaten an, auch je 10 Toea. Natürlich kann ich nicht widerstehen! Ich zahle insgesamt 1,10 Kina, umgerechnet 0,33 Euro!

Meine Ausbeute frisch vom Markt in Telefomin…

Ich fühle mich unwohl. Es ist so billig! Ich frage mich, was diese alte Frau im Gegenzug für die wenigen Kina kaufen kann, die sie von ihrem Tag auf dem Markt verdient. Da alles in Telefomin eingeflogen werden muss, sind die Dinge teuer, ein Kilogramm Reis kostet 15 Kina, umgerechnet 4,40 Euro, das Dreifache von dem, was ich in Mt Hagen dafür bezahle.

Tapioka Fladen

Als ich wieder daheim bin, befolge ich die Anweisungen der Frauen vom Markt. Und hier ist meine Bildergeschichte von meinem Telefomin-Tapioka-Fladen.

Frühlingszwiebeln, Tomaten, ein bisschen fein gehobelter Ingwer und Knoblauch und Tapioka-Raspeln…

Salz und Pfeffer und ein wenig Maggi-Würze…

Alles schön vermengen…

Genug Öl in der Pfanne heiß werden lassen und dann die Mischung obenauf, ca 2cm dick…

Den Fladen nach ca 3 Minuten wenden, Hitze reduzieren, Deckel auf die Pfanne und ca 10 Minuten brutzeln lassen…

… und fertig ist ein leckeres Mittagessen!

 

Leider kann ich euch keine definitiven Mengenangaben für die Zutaten anbieten. Ich habe eben genommen, was ich gekauft habe, zusätzlich noch ein wenig frischen Ingwer und Knoblauch, Salz und Pfeffer.

Es hat echt gut funktioniert! Ich gutes und sehr füllendes Mittagessen. Von der Gurke und einigen der Bananen machte ich mir einen Smoothie, fügte nur ein bisschen hausgemachtes Joghurt und gefiltertes Wasser hinzu…

Und ich werde auf jeden Fall wieder auf den Markt gehen und eine dieser anderen Wurzelknollen kaufen, und sicher auch wieder Tapioka!

Was für ein toller Morgen, an dem ich Gottes wunderbare Schöpfung sehen und schmecken durfte als auch den Einfluss von MAFs Flugservice für diese abgelegene Region so hautnah erleben konnte. Ich freue mich, dass ich ein Teil diese Ganzen bin, weil Gott mich liebt und mich in diese abgelegene Ecke der Welt gestellt hat.

Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn traut!

Lutherbibel 1912