Vertrauen

Ein Interview mit uns

Kürzlich wurden wir MAF-intern interviewt. Auf Englisch… Vielleicht lernt ihr uns ja ganz neu kennen?!

HIER geht es zum englischen Interview.

 

Und hier ist die deutsche Übersetzung:

  1. Woher kommt ihr beide?

Mathias – Mandy kommt aus einem Land, das es nicht mehr gibt!

Mandy – Ich komme aus Ostdeutschland. Mathias stammt aus der Schwarzwaldregion. Komischerweise befindet sich mein Geburtsort sogar in Papua-Neuguinea! In der Sepik-Region von PNG gibt es ein kleines Dorf namens Marienberg. Das ist der gleiche Name wie die Kleinstadt im Erzgebirge, in der ich geboren wurde. In PNG ist es der Ort einer katholischen Missionsstation. Es ist in der Gegend, in der sich die Deutschen in der Zeit des Kolonialismus ausbreiteten, und deshalb gibt es in Papua-Neuguinea einige Orte mit deutschen Namen.

 

  1. Wo wohnt ihr jetzt?

Mathias – Seit 2015 leben wir in Mt Hagen. Dort habe ich als Single in 2007 als Twin Otter Pilot meine Karriere bei MAF in PNG begonnen. Als Mandy und ich 2009 als Ehepaar nach PNG zurückkehrten, verbrachten wir die ersten 4 Monate in Goroka. Nach einigem Training in Mt. Hagen sind wir an die Küste nach Wewak gezogen und haben dort von 2010 bis 2015 gelebt. Wir denken immer noch, dass es der schönste MAF Standort hier in PNG ist.

 

  1. Bitte erzählt mir von eurer Familie.

Mathias – Wir haben keine Kinder. Leider war es nicht Gottes Plan für uns, Kinder zu haben.

Mandy – Das ist nicht immer einfach zu akzeptieren und zu kommunizieren, aber so ist unsere Situation.

 

  1. Wann seid ihr zu MAF gekommen und warum?

Mandy – Ich bin zu MAF gekommen, weil ich Mathias geheiratet habe! [Hattest du vor Mathias Interesse an Mission?] Ich ging 2001 für 10 Monate als Lernhelferin für eine deutsche Missionarsfamilie nach Kenia. Mein Fazit nach diesen 10 Monaten war: „Nun, ich kann mir vorstellen, irgendwann in einem anderen Land zu arbeiten, aber niemals als Single. Welche Möglichkeiten habe ich? Entweder heirate ich jemanden aus dem diplomatischen Bereich oder aus der Industrie bzw. Wirtschaft oder ich heirate einen Missionar!“ đŸ™‚ Zwei Jahre später traf ich Mathias zum ersten Mal; aber es dauerte weitere drei Jahre, bis wir uns ein zweites Mal über den Weg gelaufen sind. Das war drei Monate, bevor er Deutschland für seinen ersten Einsatz bei MAF verließ. So eine Fernbeziehung wünscht man sich nicht, aber ich wusste drei Wochen vor seinem Abflug, das ist der Mann, den ich heiraten werde und dann lässt man sich auf das Abenteuer ein…

Mathias – Ich war immer am Fliegen interessiert. Als Kind musste ich alles in der Luft beobachten; Hubschrauber, Flugzeuge, Luftballons, Militärjets, oder Vögel. Als ich ein Teenager war, fragte ich mich, warum ich diesen Wunsch hatte zu fliegen. Mit 20 Jahren erzählte mir meine Tante von einem Missionspiloten in Afrika. Das war das erste Mal, dass ich hörte, dass es christliche Piloten gibt.

Ich hatte jedoch ein großes Problem, wegen meiner Sehschwäche konnte ich in Deutschland keine Berufspilotenlizenz erwerben. Ich habe weitere sieben oder acht Jahre gebraucht, um von einem Freund herauszufinden, dass es möglich ist, in Amerika einen Pilotenschein trotz Brille zu bekommen. Als ich das erfuhr, war ich elektrisiert und sehr aufgeregt! Ich fraget Gott, ob das mein Weg sein könnte und begann mit den Vorbereitungen. Es gab ein medizinisches Tauglichkeitszeugnis zu erwerben, Schulungsmaterial zu kaufen und mich bei der Flugschule zu bewerben. Wenig später flog ich nach Florida, wo ich fünf Wochen verbrachte und meine Privatpilotenlizenz bekam.

Es war ein ziemlich langer Weg von der Zeit, als ich mit 20 Jahren zum ersten Mal von MAF hörte, bis ich im Alter von 34 Jahren zu MAF kam. Das sind 14 Jahre Vorbereitung und es ist herausfordernd nicht das Ziel, den Ruf, die Vision zu verlieren Missionspilot zu werden.

 

  1. Was sind eure Aufgaben bei MAF in PNG?

Mandy – Ich habe als sogenannter „mitausreisender Ehepartner“ angefangen, was Papierkram und Einreisebestimmungen betrifft. Anfangs habe ich noch Teilzeit für meinen früheren Arbeitgeber gearbeitet und Unterrichtsmaterial für deutsche Kinder entworfen, die im Ausland daheim unterrichtet werden zu (ich habe Sonderschulpädagogik studiert). Das und die Pflege des MAF Geländes in Wewak haben anfangs meinen Alltag gefüllt, neben der klassischen Hausarbeit…

Ich schreibe und veröffentliche auch gerne. In Wewak war ich ziemlich nah dran, an dem, was MAF ausmacht und da wir keine Kinder haben, um die ich mich kümmern musste, begleitete ich Mathias immer mal wieder auf Flügen, wenn Platz verfügbar war, oder auf medizinischen Evakuierungsflügen am Wochenende. Diese Erlebnisse habe ich dokumentiert und der damaligen Kommunikationsbeauftragten von MAF PNG zur Verfügung gestellt.

Irgendwann, ich glaube es war drei oder vier Jahre später, ging diese Kollegin in den Langzeiturlaub. MAF-UK, die viele meiner Berichte für ihre Öffentlichkeitsarbeit nutzten, fragte das Programm, ob ich die Rolle als MAF PNG Communications Officer übernehmen könne. So fand ich meinen Weg in diese Abteilung und begann als Assistent, mittlerweile bin ich mein eigenes Communications Team…

Außerdem habe ich in Wewak mit Frauen aus der evangelischen Brüdergemeinde Gefängnisarbeit geleistet. Ich habe auch versucht, mich freiwillig an der örtlichen internationalen Schule und im Behindertenzentrum zu melden, aber das hat nicht wirklich geklappt. So ist es eben, du klopfst an einige Türen, einige öffnen sich und andere nicht.

Jetzt hier in Mt. Hagen bin ich derzeit die einzige Person fr Öffentlichkeitsarbeit. Ich arbeite drei Tage im Büro. Nebenbei trage auch noch ein paar andere Hüte; ich bin Teil des Teams, das die Ankunft neuer Mitarbeiter plant und koordiniert, Betreuung unseren Wohnkomplexes mit 14 Wohneinheiten und noch manch andere Aufgaben.

Mathias – Ich bin als zweiter Pilot in einer Twin Otter Crew zu MAF gekommen. Im Twin Otter-Betrieb machten wir viele Frachtflüge, bei denen Handelswaren in die entlegenen Gemeinden transportiert und Kaffeesäcke herausgebracht werden. Da kann man sich schon fragen: „Was hat das mit Missionsfliegerei für Menschen zu tun?“ Ich habe eine Weile gebraucht, um zu verstehen, dass die Kaffeeflüge so wichtig sind, weil die Menschen mit dem Geld, das die Gemeinde durch den Verkauf von Kaffee verdient, Schulgeld bezahlen können, Alltagsgegenstände und Werkzeug, Lebensmittel aus der Stadt, Medikamente und solche Dinge. Ich habe das Konzept der Dorf-Entwicklung verstanden.

Nach zwei Jahren wurde ich als Pilot auf einem Airvan (GA8) ausgebildet. Das war es, was ich wollte – der Pilot meines eigenen Flugzeugs zu sein. Anfangs war ich jedoch überrascht, dass ich die Hilfe des zweiten Piloten vermisste, um Alternativen, das Wetter oder andere Probleme zu besprechen. Ich hatte die ersten 6 Monate Angst alleine unterwegs zu sein, aber diese 5 Jahre, in denen ich mit dem Airvan aus Wewak geflogen bin, haben mich wirklich zu dem Piloten gemacht, der ich heute bin. Ich bin in der Lage, schwierige Wetterentscheidungen oder mechanische Probleme zu lösen, meine eigenen Entscheidungen zu treffen und für mein Fliegen, Landen und Starten verantwortlich zu sein. Ich brauchte diese Zeit, um zu lernen, ein guter Missionspilot in PNG zu sein, zu lernen, wie man gute Entscheidungen trifft, die Kultur lernt und Beziehungen zu den Menschen in den Dörfern aufbaut. Das hat mir sehr gut gefallen.

Seit 2018 bin ich C208 Caravan-Pilot. Im März 2019 wurde ich zum Trainer weitergebildet und kann andere Piloten auf dieser Maschine trainieren und prüfen. Ich interessierte mich auch für Flugsicherheit und im März 2020 suchte das Programm einen Sicherheitsmanager – jemanden mit Wohnsitz in Mt Hagen und Erfahrung im Land. Das passte auf mich, also bin ich jetzt der Sicherheitsmanager!

  1. Was macht euch in eurer Rolle am meisten Spaß, was ist die größte Herausforderung?

Mandy – Das Schöne ist das unmittelbare Feedback, das ich bekomme, wenn ich auf Facebook poste und sehe, wie sehr MAF von der PNG-Community und denjenigen, die von MAF persönlich profitieren, geschätzt wird. Das Hören von Geschichten über ihre Erfahrungen mit MAF – vielleicht als Teenager, der in ein MAF-Flugzeug springt, um auf eine weiterführende Schule oder zur Uni zu gehen – sind erstaunliche Zeugnisse. Sie spornen uns bei MAF an, das fortzusetzen, was wir in den letzten Jahrzehnten getan haben. Wenn ich etwas poste, wenn wir Gebet brauchen, machen die Leute wirklich mit – beten für einen Medevac oder loben kürzlich den Erfolg der Suche nach einem vermissten Boot vor Wewaks Küste.

Es ist auch eine Herausforderung, kein englischer Muttersprachler zu sein und Berichte, egal ob kurz oder umfangreich, korrekt zu veröffentlichen.

 

Mathias – Es überrascht mich immer wieder, dass ich nach all den Jahren des Fliegens in PNG immer noch gerne über das Land fliege. Es ist ein Privileg, über ein Hochtal zu fliegen, das vielleicht noch niemand durchlaufen oder gesehen hat. Es ist auch ein Privileg, den Menschen in PNG durch das Flugzeugs zu helfen. Am liebsten helfe ich bei Medevacs, habe Kontakt zu den Leuten in den Dorfgemeinschaften und sehe, dass ich für die Gemeinden einen Unterschied mache, wenn ich in einer abgelegenen Gegend lande.

Aber die Arbeit als Pilot hat auch seine Herausforderungen. Es ist harte Arbeit, das Flugzeug zu entladen und wieder zu beladen, die Papierarbeit zu erledigen und das Program eines Tages zu managen.

Zur Abwechslung genieße ich dann die Tage als Sicherheitsmanagers im Büro. Ich arbeite gerne mit unserem Sicherheitsmanagementsystem und sensibilisiere nicht nur für die Luftfahrt, sondern bin auch für die allgemeine Sicherheit in unserer Organisation verantwortlich. Die größte Herausforderung besteht darin, meine verschiedene Verantwortlichkeiten zu managen. Es fühlt sich an, als hätte ich nie genug Zeit, um Aufgaben richtig zu erledigen.

 

  1. Was bedeutet MAF für euch?

Mandy – Für mich ist es der Ort, an den Gott uns berufen hat, als Paar in unseren verschiedenen Bereichen zu dienen. Für die Menschen, denen wir in PNG dienen, ist MAF eine Lebensader.

Wenn wir mit Unterstützern zu Hause sprechen, vergleichen wir MAFs Flugdienst in PNG gerne mit der Berliner Luftbrücke. Die Berliner Luftbrücke war ein Versuch, den westlichen Teil Berlins mit Nachschub zu versorgen, als es nach dem Zweiten Weltkrieg vom westlichen Teil Deutschlands abgeschnitten wurde. Aus Westdeutschland starteten Flugzeuge, die mit Vorräten, Lebensmitteln und Versorgungsgütern für dieses Satellitengebiet beladen waren. In gewisser Weise ist MAF hier in PNG eine „Luftbrücke“ oder Rettungsleine für abgelegene Gemeinden, in denen andere Transportmittel aufgrund von Isolation oder schwierigem Gelände einfach nicht möglich sind.

 

Mathias – Ich möchte MAF My-Awesome-Family nennen, weil ich im Laufe der Jahre gesehen habe, dass, wenn ein MAF-Mitglied einen medizinischen Notfall hat, die gesamte Organisation alles tut, um zu helfen. Wir haben schon mehrfach medizinische Notfallflüge für MAF Familienmitglieder nach Cairns in Australien durchgeführt.

 

Mandy – Wir haben die Unterstützung von MAF für uns selbst erfahren, als ein enger Freund im letzten Jahr verstarb und MAF uns unterstützte, uns von unseren MAF-Pflichten befreite und ein Paar aus Australien anrief, um Seelsorge zu leisten.

 

  1. Was wissen andere vielleicht nicht über Euch?

Mandy – Wir haben uns in Madang, also in PNG verlobt!

Mathias – Es waren die Weihnachtsferien im Jahr 2007. Mandy kam für 6 Wochen zu einer Besichtigungstour, um einen kurzen Blick auf das Land und MAF zu werfen, bevor sie zu unserer Ehe Ja sagte.

Mandy – Wir hatten uns mehr oder weniger nur per Telefon verabredet und kennengelernt – vor WhatsApp, Teams und Skype. Wir haben einmal pro Woche für ungefähr 6 bis 8 Stunden telefoniert!

Wir haben nur einmal die öffentlichen Verkehrsmittel in PNG genutzt. Das war in 2007 von Madang nach Goroka gemacht – das einzige Mal, dass wir in einem PMV (Public Motor Vehicle = Bus) saßen – und der Fahrer hat ein Schwein angefahren und Fahrerflucht begangen!

 

Ăœberraschungen

Candlelight-Dinner kennt wahrscheinlich jeder von euch. Aber habt ihr schon mal ein Candlelight-Breakfast morgens früh im Dunkeln gehabt? Ganz überraschend hatten wir heute unser erstes – und weitere werden garantiert folgen. Warum so viel Romantik morgens um 6 Uhr mitten in der Woche? Ganz einfach: Stromausfall! Wie gut, dass noch keiner von uns unter der Dusche stand, denn da kommt das Wasser auch nur, wenn die Wasserpumpe Strom hat. Welcome on the missionfield! – Das war übrigens schon Stromausfall Nummer 2 diese Woche…
Mathias hatte gestern seinen ersten Tag im Cockpit. Auch da gabs einige Überraschungen: viermal Motorausfall in der Luft, zweimal Motorausfall gleich nach dem Start, zweimal Feuer. Sein Kapitän hat sich all diese kleinen Überraschungen ausgedacht. Mathias hatte nämlich seinen Checkflug. Den muss jeder Pilot nach einem Heimataufenthalt machen. Mathias kam mit all den simulierten Unannehmlichkeiten zurecht und ab heute sitzt er wieder ganz normal im Cockpit und fliegt als First Officer. Der Alltag hat also begonnen!
Heute ging es für ihn nach Mt. Hagen, wo er am Simulator trainieren konnte. Als er heimkam, war er bepackt mit einer großen Kiste. Nach unserm Candlelight-Dinner (der Strom war kurz vorm Abendessen wieder weg…) haben wir ausgepackt und entdeckt, dass es ein Hochzeitsgeschenk von einer Familie aus Mt. Hagen war. Welch eine Überraschung! Und das Beste daran, war das Beste darin: eine elektrische Pfanne zum Kochen und Backen. Die hat irgendwie jeder hier. In Deutschland haben wir so was noch nie gesehen. Hier in unserm Häusle war auch eine im Schrank, und als Mandy gestern Abend unsere Würstchen braten wollten, hat sie erstmal festgestellt, dass der Anschluss von Pfanne und Kabel nicht passten. Wie gut, dass man Nachbarn hat und man schnell was ausborgen kann. Und eine Pfanne für den Gasherd ist allemal besser, falls der Strom ausfällt…
Es ist echt schön zu sehen, wie Gott uns hier die ersten Tage versorgt hat. Und wir sind gespannt auf all die Überraschungen, die noch folgen werden. Wahrscheinlich wird jedoch auch die ein oder andere unangenehme nicht ausbleiben…

Buschfeuer!

„Please go to your rooms. Close the windows and put on the air conditioners.“ So hieß es heute Nachmittag vor der Teepause. Das Feuer war schon im Seminarraum zu riechen. – Auf dem Hügel über der Tree Tops Lodge brannte es. Soeben kommen wir von einer kleinen Shoppingtour am Fuße des Hügels zurück. Von unten konnte man gut sehen, wie der Rauch in den Bäumen hing und an ein paar ausgewählten Stellen senkrecht emporstieg. Und als wir den Berg zur Tree Tops Lodge wieder hochstiegen, immer den Blick auf die Rauchschwaden gerichtet, sagten auf der Veranda sitzende Leute „No worry, it´s a planed fire“, also ein kontrolliertes Feuer. Deshalb sah man auch keine Flammen hochschlagen. Weiter sagte der Mann, dass sie so etwas in der Trockenzeit nie tun würden; zzt. sei dies nichts ungewöhnliches. Also vertrauen wir darauf, dass wirklich alles unter Kontrolle ist, wenn sich nun hier der Tag langsam dem Ende neigt.