26. August 2009

Vorm Gefängnis


.. aber nicht im Gefängnis. Letzteres war jedoch unsere Absicht. Aller zwei Wochen gehen die Goroka-MAF-Ladys für einen kurzen Besuch ins hiesige Frauengefängnis, mit dabei auch noch ein oder zwei einheimische Frauen. Die Pastoren der EBC (Evangelical Brotherhood Church) gehen in den weitaus größeren Männertrakt. Beide sind etwas separat, sodass sich Frauen und Männer weder sehen noch sonst irgendwie kommunizieren können. Wir fuhren ca. 20 min mit dem EBC-Bus aus dem Stadtgebiet hinaus, die Straße war natürlich nicht befestigt und sehr bumpy, also schlaglochübersät. Rechts und links sah man Holz- und Grashütten, kleine Verkaufsstände und die Gärten der Leute. Dazwischen auch größere Felder mit Kaffeepflanzen. Am Gefängnis angekommen, sagte man uns, dass heute kein guter Tag sei für einen Besuch. Man wolle zwar das Wort Gottes nicht aufhalten und grundsätzlich seien wir sehr willkommen. Aber es gibt zzt. ein größeres Problem: Sie haben kein Wasser. Die Regenwassertanks sind leer und das Stadtwasser kommt nur tröpfchenweise aus der Leitung. Das bedeutet, die Hygiene leidet (…) und man kann auch kein Essen zubereiten. Die Stimmung sei ziemlich schlecht und es könnte entsprechend unangenehm werden. Wir verstehen, können aber praktisch leider nicht helfen. Jesus hat auch immer erst die persönlichen und elementaren Nöte der Menschen in Angriff genommen, bevor er ihnen geistliche Nahrung gegeben hat – Menschen gibt er zu Essen, Fischer lässt er volle Netze einholen etc. Wenn ich es richtig verstanden habe, wollen die EBC-Pastoren einige Wasserkanister hinbringen. Uns Frauen bleibt er derweil nur übrig, um Regen zu beten und dafür, dass jemand die kaputte Wasserleitung der Stadt baldmöglichst repariert. Anscheinend hat irgendjemand „unterwegs“ an den Anschlüssen gespielt … Unsere eigenen Wasservorräte in den Regenwassertanks an unserm Häuschen reichen, so wie Mathias schätzt, noch 10 Tage. Auch wir haben heute morgen begonnen, um Regen zu beten, sodass wir nicht das Stadtwasser anzapfen müssen, was dann MAF in Rechnung gestellt würde. Im Vergleich zur Gefängnisleitung würde bei uns das Wasser fließen, unsere Anschlüsse sind zzt. in Ordnung. Das Nachbarhaus hat vorgestern bereits begonnen, den eigenen Tank mit Stadtwasser etwas aufzufüllen. Goroka liegt in einem Tal auf 1600 m, drumherum Bergketten, die an die 4000 m reichen. Dort sammeln sich die Wolken und von hier aus lässt sich das auch gut beobachten – siehe Foto. Auch wenn es die letzten Tage immer wieder bewölkt war und die Wolken richtig grau und regenschwer schienen, hat es hier nicht geregnet. Zzt. haben wir auch gerade keinen Strom. Der Rechner läuft über den Akku. Aber ich glaube, es ist viel schlimmer, längere Zeit kein Wasser zuhaben als keinen Strom. Wie viele Menschen in den Buschhütten haben keinen Strom und leben glücklich?! Aber sobald ihnen das Wasser ausgeht, Bäche austrocknen und Quellen versiegen, dann haben sie wirklich ein Problem. Und in Afrika ist dies wahrscheinlich oft eine große Not. PNG liegt als Insel im Ozean, hier sammeln sich die Wolken an den Berggipfeln, die das ganze Land durchziehen, und regnen ab. Fliegt man über das Land, sieht man viele Wasserläufe, die sich durch die Gegend schlängeln und in deren Nähe sich die Menschen angesiedelt haben. So kommt es sicher äußerst selten vor, dass die Menschen hier im Land kein Wasser haben, selbst wenn sie täglich eine gute Strecke laufen müssen, um zum nächsten Bach oder Fluss zu kommen, um sich zu waschen oder eben um Wasser zum Kochen zu holen. Betet doch einfach mit uns um Regen! Vor allem, damit sich die derzeitigen Zustände im Gefängnis schnell ändern und man dort bald wieder das Wasser mit normalem Druck aus der Leitung fließen sieht.


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