22. September 2009

Herbstanfang

Pünktlich zum deutschen Herbstanfang solidarisieren wir uns mit euch. Auch hier ist es seit gestern ziemlich trüb und grau. Es regnet gerade täglich, zuweilen gewittert es auch. So kam es, dass Mathias gestern morgen kurz nach 8 Uhr schon wieder daheim war, nachdem sie das Flugzeug für den Tag gecheckt und für den nächsten Start alles vorbereitet haben. Warten hieß es. Warten auf Wettermeldungen von den Landeplätzen, die man anfliegen wollte. Warten auf Wettermeldungen, die eine erfolgreiche Landung ermöglichten. Gegen halb 11 war es dann soweit. Unser erster Landeplatz war Marawaka. Der Flug dorthin war problemlos. Wir flogen zwischen Wolkentürmen, die weitaus höher reichten als wir fliegen konnten. Nach nur 20 Minuten waren wir kurz vor dem Marawaka Tal und suchten nach einem Weg über die hohen Bergkuppen und Gipfel, die das Tal umsäumten. Der normale Eingang, eine Lücke in der Bergkette, war mit Wolken blockiert. Weit und breit sahen wir nur dichte Wolken, aber keine Lücke. Also entschieden wir uns auf die Sicherheitshöhe über die Berge zu steigen und durch die Wolken ins Tal zu fliegen. Unser GPS wies uns den Weg in den Wolken und zeigte uns, wann wir in der Mitte des Tales waren. Kaum hatten wir die hohen Bergrücken hinter uns gelassen, brachen die Wolken auf und wir konnten durch kleine Löcher den Boden des Tales mit dem Marawaka-Fluss sehen. Nach nochmals wenigen Minuten hatten wir eine Stelle erreicht, von der aus wir einen Sinkflug ins Tal wagen konnten. Ein normaler Anflug war nicht möglich, weil Wolken die Sicht versperrten. So wählten wir einen direkten Anflug unter den Wolken. Die Sicht war unter den Wolken klar und gut für eine Landung. Aber wir wollten keine Minute länger am Boden bleiben, wie unbedingt nötig. Die Wolken könnten uns sonst schnell den Abflug unmöglich machen und wir müssten in Marawaka übernachten. Die Aussichten auf eine Nacht in einem Buschdorf waren nicht so besonders rosig. Am Boden angekommen, berichtete uns unser MAF-Agent, dass der Kaffeebesitzer sein Haus zugeschlossen hatte und in seinen Garten gegangen ist. Wir sahen unsere Chance auf einen frühen Abflug schwinden. Der Agent hat eine zweite Ladung mit Kaffeesäcken organisiert, die aber erst noch zum Flugzeug gebracht werden musste. Das bedeutete, dass ca. 35 Kaffeesäcke, von denen jeder ca. 50 Kilogramm wiegt über eine Distanz von 1 km geschleppt werden musste. Wir sahen eine Handvoll Männern mit jeweils einem Sack Kaffee auf dem Rücken über den Landeplatz laufen. Wir sahen die Bemühungen einiger weniger Dorfbewohner, während eine viel größere Anzahl an Buschleuten am Landeplatz stand und dem Schauspiel zusah. Es half nichts. Wir mussten nach 25 Säcken dem Agenten sagen, dass wir nicht länger auf die restlichen Säcke warten konnten. Wir schlossen das Flugzeug und die Frachtpapiere und machten uns startbereit. Wir verließen Marawaka und stiegen wieder in der Talmitte auf unsere Sicherheitshöhe, bevor wir unseren Kurs durch die Wolken nach Goroka setzten. In Goroka angekommen saßen wir erstmal fest. Das Wetter war im größten Teil unserer Region verregnet und unfliegbar geworden. Es gab nur noch zwei kleine Landeplätze, die einen guten Wetterbericht lieferten. Kurzerhand entschieden wir uns ins Flugzeug zu steigen und diese Plätze anzufliegen. Beide Plätze hatten wirklich vergleichbar gutes Wetter und wir konnten beide male Kaffeesäcke nach Goroka fliegen. Am Ende des Tages hatten wir gerade 3,1 Stunden Flugzeit hinter uns gebracht und drei Plätze angeflogen. Normalerweise sind Flugzeiten von 5-6 Stunden pro Tag die Regel. Aber hierzulande beginnt wohl gerade die Regenzeit, das heißt, das Wetter wird unbeständiger, das Fliegen herausfordernder.


flieger-lupo am 22. September 2009 um 22:45 Uhr

Sehr schöner Bericht! Danke!

Gruss

Lupo


flyray am 23. September 2009 um 11:41 Uhr

Hallo Mathias & Mandy,
vielen Dank für den super Blog und die interessanten Berichte – bitte mehr davon 😉
Ich kenn euch zwar persönlich nicht, doch als begeisterter der Fliegerei und als Christ, warte ich immer auf euren nächsten Bericht und hoffe auch mal im Cockpit zu sitzen.

Schöne Grüsse und Gottes Segen,

ray


Mandy Glass am 23. September 2009 um 21:54 Uhr

@ Ray: Vielen Dank!
Wie hast du uns denn gefunden? Über unsere Homepage http://www.maf-pilot.de kannst du uns auch mailen…


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