10. Juni 2012

Fliegender Bibelverkäufer und noch anderes aus der letzten Woche

Montag – Lange Flüge
Zwei Einheimische von Karrawari nach Hagen zu einer großen Konferenz einer einheimischen Kirche. Eine NTM Familie von Goroka nach Wewak. Der Flug hat eine Stunde und fünfzig Minuten gedauert. Rekord!
Dienstag – Missionare und Bibeln in den Busch
Gerhard und Brigitte Stamm sind heute nach Moropote geflogen. Dort bleiben sie zehn Tage für einen Pastorenkurs.
Heute starte ich auch mit dem Bibelverkauf. Luke, der MAF-Agent in Moropote bekommt von mir eine geschenkt. Weitere 10 gebe ich Gerhard zum Verkauf. Bis ich das Flugzeug wieder beladen und alle Papierarbeit erledigt habe, sind die Bibeln schon verkauft. „Du musst mehr mitbringen, wenn du uns abholst!“
Mittwoch – Ein Medevac nach Vanimo, Kundenbeschwerden und organisierter Bibelverkauf 
Einen älteren, sehr schwachen Mann habe ich heute von Sibilanga nach Vanimo geflogen. Er war schon mehrere Tage im Busch-Krankenhaus in Sibilanga, bis die Krankenschwester eine Verlegung für dringend nötig hielt.
Diebstahl?!
Außerdem beschwert sich ein Passagier, dass seine Fracht beschädigt wurde. Das Loch im Karton sei groß genug, dass eine Hand reinpasst und man Dinge klauen konnte. Was tun? Ich nehme den Mann ernst, mache ein Foto. Allerdings weiß ich auch, dass MAF für solcherlei Dinge keine Verantwortung übernimmt. Es könnte genausogut eine Base-Ratte gewesen sein, die etwas Essbares gerochen hat. Uns passiert das auch gelegentlich mit Päckchen aus Deutschland, da sind es Post-Ratten, ob mit zwei oder vier Beinen, sei mal dahingestellt…
Pastor Thomas mit seiner neuen Bibel
Am Ende der Woche sind 16 Bibeln schon im Sepik verteilt und verkauft. An jedem Ort, wo ich die Bibeln angeboten habe, wollten die Menschen mehr Bibeln haben.  Ich denke, dass ich die restlichen Bibeln bald weggegeben bzw. vergünstigt verkauft haben werde. Einige sind richtig organisiert, so wie Pastor Thomas in Sibilanga, und haben mir eine Liste mit Namen versprochen, die so eine Bibel haben wollen.
Donnerstag – Frei
Wir bürsten unsere Veranda, um sie am Wochenende zu streichen. Das gehört zur Pflege und Erhaltung des Hauses.
Und weil Mandy noch nicht genug hatte, hat sie mal wieder im Garten aufgeräumt und mancher Ecke eine Radikalkur verpasst, auf dass Neues werde…
Freitag – Rundflug
Ein Passagier musste heute 5 Flüge mitmachen, bis er am vorletzten Landeplatz an seinem Ziel aussteigen konnte. Er ist beinahe einmal um sein Ziel herumgeflogen.
Auérdem flog ich Goldsucher von Yatoam nach Blackwara. Die Regenzeit setzt den Landeplätzen im Busch ziemlich zu. Gerade Blackwara entwickelt zurzeit tiefe Schlammlöcher, in denen sich ein Rad festsetzen kann.
Dreckige Angelegenheit…
In Anguganak will ich schon wieder starten, da kommt Graham Erb zum Flugplatz. Ich breche die Startvorbereitungen ab, um mich auch mit ihm noch kurz über das Bibelprojekt zu unterhalten. Graham ist einen australischen Bibelschullehrer der schon jahrelang für Seminare an die Bibelschule nach Anguganak kommt. Sein Zeugnis: „Die Bibelschulstudenten, die vor zwanzig Jahren in der Bibelschule Lesen und Schreiben gelernt haben, haben dieses Wissen ihren Kindern nicht weitergegeben. Das Ergebnis ist, das wenige in der heutigen Generation in der Lage sind die Bibel zu lesen.“ 
Es fehlen Lehrer in den staatlichen Schulen, und dort, wo es welche gibt, ist die Bildung mangelhaft und teuer. Erst im diesjährigen Wahlkampf werben die Kandidaten mit freier Bildung für alle.
Das Bibelverkaufsprojekt soll helfen, den Buschleuten, die Lesen können, eine billige Bibel zu geben. Wir verkaufen die Bibeln bis zu 60% unter Einkaufspreis. Für ältere Menschen, die nicht mehr lesen können oder Menschen, die nie Lesen gelernt haben, gibt es die gesamte Bibel in einem kleinen elektronischen Gerät (MP3-Spieler) zum Anhören. Der MP3-Spieler wird mit Solarstrom betrieben. Leider haben wir davon nicht genug. Leider wird auch viel getrickst und die Einheimischen kaufen die billigen Bibeln, um sie dann teuer weiterzuverkaufen.  
Was gab es vor der Kerze im Sepik? Glühbirnen! Das ist leider keine wirkliche Scherzfrage, aber es beschreibt wohl ein wenig sarkastisch die Situation hier im Sepik, geistlich wie auch ökonomisch.
Missionare berichten, dass die Lehren in den Gemeinden sich wieder mit traditionellen Riten mischen, das Werte verfallen, dass von Missionen und Entwicklungshilfeträgern aufgebaute Projekte über kurz oder lang den Bach runter gehen, Misswirtschaft betrieben wird. Das ist sehr ernüchternd und wirft viele Fragen auf. Aber hoffentlich noch mehr Gebet und einfach praktische Hilfe.
Hier noch ein paar ergänzende Infos zu dem Bibelverkaufsprojekt aus unserem Rundbrief von Ende April:
Seit gut zwei Jahren verkauft MAF Pilot Matt Painter im südlichen Flachland (Western Provinz) Bibeln zu subventionierten Preisen an Buschleute. Dabei hat er verschiedene Preise für verschiedene Landeplätze. Matt berichtete immer wieder in seinen Rundbriefen davon. Er schrieb: „Die Bibeln verkaufen sich wie warme Semmeln, werden freudig angenommen. Meist können wir der Nachfrage kaum gerecht werden.“ Manchmal hat Matt auch Lesebrillen im Angebot, Schlangenbiss-Sofort-Medizin oder Creme gegen Hautausschlag.
Als wir Ende März in Mt. Hagen ankamen, trafen wir uns mit Matt und er erzählte uns mehr davon, stellte Kontakt zu CRMF (Christian Radio Mission Fellowship, ein Arbeitszweig von MAF Australien) her und mittlerweile haben wir bereits das erste Paket mit 40 Tok Pisin Taschenbibeln erhalten.
Warum verkaufen, und nicht verschenken? Die Erfahrung hat gezeigt, dass Geschenke zwar gern genommen, aber dann auch wieder gern vergessen oder gar weiterverkauft werden. 
Warum unterschiedliche Preise für unterschiedliche Landeplätze? In manchen Gegenden sind die Leute wirklich arm, leben von der Hand in den Mund, haben keine oder kaum Möglichkeiten, zu Geld zu kommen. Dort werden die
Bibeln für 5 Kina verkauft (2 Euro). Andere Landeplätzen haben Zugang zu Bodenschätzen und somit ist genug Geld im Umlauf. Dort werden die Bibeln für 30 Kina (ca. 12 Euro), nahezu zum Einkaufspreis angeboten.
Wir sind gespannt, welche Erfahrungen Mathias als fliegender „Bibelverkäufer“ machen wird und wie schnell wir Nachschub organisieren müssen. 
Samstag – Schaffe, schaffe, Häusle baue
Wir haben nichts gebaut, aber was für die Werterhaltung getan: unsere Veranda gestrichen…

Lea hat auch fleißig mitgeholfen – auch beim mittäglichen Pfannekuchenessen ;o)

Anonym am 25. Juni 2012 um 15:57 Uhr

Wer zu Brigitte und Gerhard Stamm von der Liebenzeller Mission mehr erfahren möchte, der kann hier einen Film über ihn sehen und erfahren, was die beiden für ihre Arbeit in PNG motiviert.


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