02. Mai 2013

Medevac in Etappen

Das aktuelle Ereignis liegt zwar schon mehr als ein halbes Jahr zurück, aber endlich komme ich dazu, die komplette Geschichte aufzuschreiben…
Es war ein typischer Hochlandflugtag von Wewak aus am 4. Oktober 2012. Am Nachmittag, als Mathias nach Sumwari kam, erwartete ihn dort u.a. ein junger Mann mit einem Verband am rechten Fußgelenk. Er sollte nach April River geflogen werden. Im Dorf Niksek, 30 Minuten Fußmarsch vom Flugplatz entfernt gab es einen besser ausgestatteten Gesundheitsposten und eine Krankenschwester, die sich des Verletzten annehmen sollte.
Gabriel in Sumwari
Mathias fand heraus, dass sich Gabriel beim Holzfällen verletzt hatte, sich vielleicht sogar aus Versehen mit der Axt in den Fuß gehackt hatte. Autsch! Wäre es da nicht besser gewesen, Gabriel nach Wewak ins Krankenhaus zu fliegen? Nun ja, die Entscheidung lag bei den Dorfleuten und die waren mit April River zufrieden. Vielleicht ja auch aus Kostengründen. Und von April River bzw. Niksek kann man, wenn wieder alles in Ordnung ist, der Fuß geheilt ist, notfalls auch zu Fuß laufen. Ein strammer Tagesmarsch.
Am 9. Oktober flieg Mathias Glass Gerhard und Brigitte Stamm, Missionare der Liebenzeller Mission, für ein Versöhnungsfest nach Niksek. 
Landeplatz April River
Bei ihrem letzten Besuch gab es einige Unannehmlichkeiten und Gerhard forderte eine entsprechende Entschuldigung nach Niksek-Art von Seiten der Dorfleute, wenn sie wollten, dass weiterhin Missionare für Kurse und Besuchsdienste nach Niksek kommen sollen.
Das Dorf tat sein Bestes und veranstaltete ein großes Mumu, es gab viele Aussprachen, Schuldeingeständnisse und Versöhnungsworte.
Mumu –
Kochen im Erdloch oder Erdhaufen mit heißen Steinen
Ein Schwein ist Pflicht!
Im Hintergrund ein traditionelles Niksek-Haus,
extra für Gerhard und Brigitte als Gasthaus gebaut.
Im Gottesdienst kommen viele zu Wort.

Drei Tage später, am 12. Oktober landete Mathias dann schon wieder auf dem Landestreifen am April River, um drei Passagiere nach Wewak mitzunehmen: Ehepaar Stamm sowie Gabriel, den jungen Mann mit der Fußverletzung. Denn auch die Krankenschwester in Niksek konnte nicht viel für ihn tun. Die Verletzung war schon zu alt und sehr entzündet, als dass man sie dort hätte nähen können. 
Gabriel wurde zum Flugplatz getragen.
Überhaupt kann man nur spekulieren, wann sich der Unfall ereignete und wie Gabriel zum Flugzeug kam. Er stammt aus Dau. Dau liegt wie Sumwari am Wario-Fluss, allerdings ein gutes Stück weiter stromabwärts. Der Wario war zu dieser Zeit ein reißender Fluss und nur mit einem Motor-Kanu zu bewältigen. Also musste erst einmal die Nachricht nach Sumwari, dass es in Dau einen Verletzten gibt. Dann musste dieser mit dem Kanu abgeholt und nach Sumwari gebracht werden und dann per Funk ein MAF-Flugzeug angefordert werden. Da vergehen einige Tage!
In Dau weiß man um die eigene Abgeschiedenheit von schneller Hilfe im Notfall. Man ist schon eine Weile dabei, einen Landestreifen zu bauen. 
Papierarbeit am Flugplatz April River

So kam Gabriel über einige Umwege mit einem zweiten MAF Flug nach Wewak ins Krankenhaus. Verwunderlich war, dass Gabriel eigentlich nicht leidend aussah, wobei die Wunde absolut kein schöner Anblick war und sicher sehr schmerzhaft war.
Endlich in Wewak: Warten auf den Krankenwagen. 
Brigitte besuchte ihn regelmäßig im Krankenhaus und brachte ihm Essen, da er sonst keine Wantoks hatte, die nach ihm schauten. Man reinigte die Wunde und nähte sie. Einige Zeit später konnte Gabriel entlassen werden und machte sich allerdings per PMV Truck und Kanu auf den Weg zurück in sein Heimatdorf.

Anonym am 2. Mai 2013 um 14:46 Uhr

Wolfgang meint:"Schön, dass es M&M gibt.


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